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Wissen & Fakten
Informieren Sie sich über die Realitäten moderner Sklaverei und Menschenhandel. Wir geben Ihnen die Werkzeuge, um Anzeichen zu erkennen und aktiv für eine gerechtere Welt zu agieren.
Was ist Zwangsarbeit?
Zwangsarbeit bezeichnet Arbeit, die unter Zwang oder unter menschenrechtswidrigen Bedingungen verrichtet wird. Oft beinhaltet sie die Ausbeutung von Menschen in einem System, das faire Bezahlung und freie Entscheidungen für Arbeitnehmer unmöglich macht.
Anzeichen erkennen
Erkennen Sie Anzeichen von Zwangsarbeit und Menschenhandel. Dies beinhaltet die fehlende Kontrolle über die Person, die fehlende Bezahlung oder die fehlende Freiwilligkeit des Arbeitnehmers.
Kinderarbeit
Kinderausbeutung gibt es schon seit Jahrhunderten bis heute.
Rund 160 Millionen Kinder weltweit sind davon betroffen. Unter Kinderarbeit versteht man nicht regelmässiges Aushelfen nach der Schule oder am Wochenende, sondern echte Ausbeutung. Eines von zehn Kindern weltweit muss arbeiten. Fast die Hälfte aller Kinderarbeiter ist jünger als zwölf Jahre. Am häufigsten müssen Kinder auf Feldern und in Minen schuften. Ihre Eltern sind zu arm, um die Familie ohne die Mithilfe der Kinder zu ernähren. Ein Schulbesuch ist die wirksamste Massnahme gegen Kinderarbeit.
Beim Recherchieren auf verschiedenen Webseiten haben wir gelernt, dass es jedes Jahr am 12. Juni einen Welttag gegen Kinderarbeit gibt. An diesem Tag versuchen Menschen, die Aufmerksamkeit auf dieses Problem zu lenken. Wenn Kinder statt in die Schule zu gehen in Minen arbeiten müssen, ist das ein Schicksal, das niemand einem Kind wünschen würde.
Obwohl Kinderausbeutung schlimm ist, gibt es sogar noch schlimmere Aspekte, die man einfach nicht anerkennen will. Ganz extrem ist das bei den sogenannten „schlimmsten Formen“ der Kinderarbeit, also zum Beispiel bei Kinderprostitution, beim Einsatz als Kindersoldat oder Kindersoldatin oder beim Missbrauch von Kindern für kriminelle Machenschaften, zum Beispiel als Drogenkurier. Teilweise werden Kinder Opfer von Kinderhandel oder durch Schuldknechtschaft zum Arbeiten gezwungen.
Aus meiner Sicht sind Gesetze zum Schutz von Kindern, einschliesslich eines Verbots von Kinderarbeit, unbedingt erforderlich, reichen allein aber nicht aus. Die Mehrheit der Staaten hat gesetzliche Regelungen, die Kinderarbeit verbieten – zumindest auf dem Papier. Doch selbst bei einer lückenlosen und konsequenten Umsetzung der Gesetze an allen Orten wäre damit das Ende der Kinderarbeit noch nicht erreicht. Gleichzeitig müssen die Ursachen dafür bekämpft werden, dass Kinder ausgebeutet werden und auf das Geld angewiesen sind. Andernfalls wird das Problem nur an andere Orte verschoben, sodass Kinder an geheimen Orten arbeiten müssen, die für Regierungen und Arbeitsinspektoren nicht sichtbar sind. Bei der Durchsetzung des Verbots muss verhindert werden, dass die Familie dadurch in eine noch grössere Notlage gerät.
Zwangsprostitution
Zwangsprostitution ist in sehr vielen Ländern ein grosses Problem, das noch zu oft unter den Teppich gekehrt wird. Während Kinderarbeit und Zwangsarbeit in der Schweiz eher selten vorkommen, ist Zwangsprostitution auch hier ein vergleichsweise grosses Thema, über das dennoch kaum jemand spricht. Ursachen dafür, dass jemand in die Zwangsprostitution gerät, gibt es viele, darunter Täuschung, vorgespielte Liebe, Armut, Not und Hunger, Verkauf sowie Zwang. Frauen aus Osteuropa sind in der Schweiz verhältnismässig stark betroffen. Oft werden sie durch falsche Jobangebote ins Ausland gebracht und dort anschliessend festgehalten. Aber auch Menschen aus der Schweiz sind nicht unbedingt davor sicher, in die Zwangsprostitution gedrängt zu werden. Gerade bei jungen Frauen, teilweise sogar noch Minderjährigen, wird gerne die sogenannte Loverboy-Methode angewandt.
Unter dieser Methode versteht man eine Liebesbeziehung, die der Zuhälter dem Opfer vorspielt. Durch Manipulation und Gehirnwäsche binden sich die Opfer oftmals so stark an ihren Loverboy, dass sie nicht mehr ohne ihn können. Meist folgen anschliessend finanzielle Probleme auf Seiten des Zuhälters. Dieser kommt dann mit der Idee der Prostitution. Durch emotionale Abhängigkeit, ständige Manipulation und gezielte Isolation sehen die Opfer keinen anderen Weg mehr, um ihrem Loverboy zu helfen. Einmal in diesem Gewerbe gibt es fast keinen Ausweg mehr. Viele dürfen nur sehr wenig von ihrem Geld behalten, müssen Tagessätze leisten und werden ständig überwacht. Sollte ein Opfer aussteigen wollen, drohen ihm oftmals körperliche oder psychische Gewalt, Erpressung, das Einsperren in irgendwelche Räumlichkeiten oder weitere Drohungen.
Interview mit Corinne Minchella
Zwangsarbeit
Zwangsarbeit kann man in zwei verschiedene Gruppen unterteilen. Neben der privaten Zwangsarbeit gibt es auch die staatliche Zwangsarbeit.
Private Zwangsarbeit: Gerade auf Plantagen, in der Elektronik, in Haushalten, in verschiedensten Fabriken wie etwa Ziegelsteinfabriken, Nähereien oder ähnlichen Betrieben, in Minen sowie in der Fischerei werden viele Menschen ausgebeutet. In unserem Interview mit Melanie Wirz durften wir mehr über diese Thematik erfahren, und sie zeigte uns Videos von verschiedenen Menschen, die in der Zwangsarbeit gefangen sind. Zwangsarbeit bedeutet nicht automatisch, dass Menschen über Nacht eingesperrt und festgehalten oder täglich körperlicher Gewalt ausgesetzt werden. Natürlich kommt dies auch vor, aber es ist kein Kriterium. Oftmals werden Arbeiter durch Drohungen, viel zu hohe und unberechtigte Schulden oder Geldnot festgehalten. Viele arbeiten für einen Lohn, von dem sie nicht einmal ihre Familien ernähren können. So müssen oftmals auch schon kleine Kinder mithelfen, wodurch sich Kinderarbeit teilweise mit Zwangsarbeit überschneidet.
Staatliche Zwangsarbeit: Obwohl die staatliche Zwangsarbeit nur einen kleinen Teil der gesamten Zwangsarbeit ausmacht, spielt sie dennoch eine Rolle. So kann es sein, dass Zwangsarbeit als verpflichtende Strafe des Staates angesehen wird. Diese Form der Zwangsarbeit kommt grösstenteils in Gefängnissen oder im Rahmen der Wehrpflicht vor.
Laut ILO definiert sich Zwangsarbeit wie folgt: „Jede Art von Arbeit oder Dienstleistung, die von einer Person unter Androhung irgendeiner Strafe verlangt wird und für die sie sich nicht freiwillig zur Verfügung gestellt hat.“
Prävention
Loverboy-Methode
Kleidungsstil verändert sich
Person isoliert sich von Familie und Freunden
Geht nicht mehr zur Schule
Verschwindet tagelang oder ganz
Wechselt oft den Arbeitsort
Ist überarbeitet und hat nur sehr wenig Freizeit
Anzeichen von Selbstverletzung
Verletzungen haben keinen klaren Ursprung
Nimmt Drogen oder andere Rauschmittel
Zwangsarbeit
Person ist nicht versichert
Hat eine Begleitperson dabei
Verletzungen haben keinen klaren Ursprung
Kennen ihre Adresse nicht
Körperliche Wunden, die manchmal nur schwer erkennbar sind
Gewisse Verletzungen stammen nicht von einem Unfall
Person ist ängstlich und zurückhaltend
Anzeichen von Selbstverletzung
Wohnt am Arbeitsplatz oder an sehr heruntergekommenen Orten
Hat keine oder nur wenige Dokumente
Ist überarbeitet und hat nur sehr wenig Freizeit
Wechselt oft den Arbeitsort
Nimmt Drogen oder andere Rauschmittel
Bildungsmaterialien
Erfahren Sie mehr über die Realitäten der modernen Sklaverei und die Auswirkungen von Zwangsarbeit. Unsere Sammlung an Dokumenten und Leitfäden bietet fundierte Ressourcen für eine vertiefte Auseinandersetzung.

Leitfaden zur Prävention
Ein umfassender Leitfaden für Institutionen und Einzelpersonen zur Erkennung und Verhinderung von Zwangsarbeit.

Handbuch für NGOs
Praktische Anleitungen für die Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen zur Bekämpfung von Menschenhandel. (Ausgabe leider nur auf Englisch verfügbar)

Statistische Studien
Ergebnisse und Analysen zur aktuellen Situation von Zwangsarbeit und Menschenhandel weltweit.